Nienburg/Weser – Meine schönsten Sehenswürdigkeiten und Tipps

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[Anzeige] Meine Reisen auf der Deutschen Fachwerkstraße führten mich im September in das niedersächsische Nienburg/Weser. Ich erlebte den Herbstanfang von seiner schönsten Seite mit Sonnenschein und bereits frischerer Luft, nach der Schwüle des Sommers waren die Tage eine richtige Wohltat. Die tausendjährige Stadt zwischen Bremen und Hannover ist überregional bekannt für ihre Fachwerkhäuser und Spargelanbau und liegt direkt an der Weser in der Region Mittelweser. An der malerischen Altstadt führt auf seinem Verlauf von Hann.Münden nach Cuxhaven der beliebte Weser-Radweg vorbei. Ehemalige Burgmannshöfe, Ackerbürgerhäuser, prächtige Weserrenaissancehäuser, sehenswerte Museen und Europas schönster Wochenmarkt warten entdeckt zu werden. In diesem Beitrag lernst du die schönsten Sehenswürdigkeiten kennen und erhältst wertvolle Tipps zu Kulinarik und Unterkunft. 

Inhalt

1.000- jährige Stadtgeschichte

Die neue Burg am Weserübergang Im Jahr 1025 wurde Nienburg „neue Burg“ erstmals in einer Schenkungsurkunde erwähnt. Es wird davon ausgegangen, dass es dort schon vorher eine Burg zum Schutz des Weserübergangs gegeben haben muss, genau weiß man das jedoch nicht. Der Mindener Domherr Milo schenkte seine Nienburger Besitztümer der Mindener Kirche. Um die Burg entwickelte sich eine Siedlung, die 1225 als Stadt „civitas“ des Grafen Heinrich I. von Hoya bezeichnet wird. Ab 1275 ist eine städtische Verfassung mit einem Stadtrat, der von den gräflichen Burgmännern gestellt war, belegt. Wie im ganzen Heiligen Römischen Reich schlossen sich Handwerker in Zünften zusammen und man baute eine große Backsteinkirche. 1582 sterben die letzten Grafen von Hoya aus und Nienburg geht als Lehen an die welfischen Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Das militärische Feldzeichen der Hoyaer Grafen, die schwarze Bärentatze, ist bis heute Teil des Stadtwappens, das welfische Fürstenhaus ist mit einem blauen Löwen vertreten. 

Die Legende vom „Wähligen Rott“ Der grausame und blutige dreißigjährige Krieg machte auch an der Weser nicht Halt. Es begannen Jahre der Belagerung und am Ende waren zwei Drittel der Stadt zerstört. 1625 stand der kaiserliche Feldherr Tilly vor den Toren Nienburgs. In der Stadt waren 3.000 dänische Soldaten stationiert. Obwohl die kaiserlichen Truppen in der deutlichen Überzahl waren, schaffte es der populäre Kavallerieoffizier Hans Michael Elias von Obentraut, auch als „Deutscher Michel“ bekannt, diese zurückzudrängen. Ein herber Schlag für den erfolgsverwöhnten Tilly, es kam aber für ihn noch dicker. „Dat Wählige Rott“, eine „auserwählte Gruppe“ von 13 Nienburger Bürgern, ging für einen kleinen Überfall in die Stadtgeschichte ein. Sie erbeuteten bei einem nächtlichen Überfall eine Fahne und ein Zelt von Tilly, das muss eine Schadenfreude gewesen sein, chapeau!

Sehenswürdigkeiten in Nienburg/Weser

Rathaus

Relikt der Weserrenaissance Das beeindruckendste Gebäude der Altstadt und über die Jahrhunderte gewachsen ist das historische Rathaus am Marktplatz. Es wurde wahrscheinlich 1533 mit Fachwerk-Obergeschossen erbaut und nach nur 50 Jahren, im Zeitraum der Weserrenaissance, um einen repräsentativen Stufengiebel und einem zweigeschossigen Fassadenvorbau, auch Auslucht genannt, ergänzt. Die Weserrenaissance ist ein regionaler Architekturstil des 16. und frühen 17. Jahrhunderts, der von verschnörkelten Giebeln und verspielten Schmuckdetails geprägt und hauptsächlich in den Weserstädten zu finden ist.  Im 18. Jahrhundert erhielt das Gebäude einen achteckigen Turm und am Eingang zum Ratskeller einen Laubengang mit hohen Arkaden. 

Adresse: Marktplatz 1 

Pfarrkirche St. Martin

Backsteingotik – Wahrzeichen des Nordens Das Herzstück der Nienburger Altstadt ist die gotische Backsteinkirche St. Martin. Ihr neugotischer Turm überragt mit einer Höhe von 72 Metern alle anderen Gebäude, sodass man die Orientierung als Stadtfremder kaum verlieren kann. Mich faszinieren die rötlichen Backstein-Bauwerke immer sehr, da es sie bei uns in Süddeutschland kaum gibt und sie mir das Gefühl geben wirklich weit gereist zu sein. Man findet den gebrannten Baustoff aus Lehm und Ton hauptsächlich in Norddeutschland, dem Ostseeraum und den Niederlanden, umso röter er ist umso höher ist der Eisenanteil im Ton.

Auch von Innen sehenswert Die Kirche muss vermutlich bereits im 13. Jahrhundert als Holzbau existiert haben, der im Jahr 1441 durch eine dreischiffige Backstein-Hallenkirche ersetzt und dem Heiligen St. Martin geweiht wurde. Der Kirchturm ist jedoch nicht so alt. Da er im 30-jährigen Krieg stark beschädigt wurde, musste lange Zeit ein Notturm ausreichen. Erst 1896 wurde der heutige Turm auf einem Unterbau eines Wehrturmes aufgebaut. Die Kirche ist auch von Innen sehenswert, denn sie verbirgt so manche Kunstschätze. Besonders erwähnenswert ist die Gruppe der zwölf Apostel aus dem Jahr 1520 auf dem Altar im Chorraum. Sie stammt aus der Werkstatt des Bildhauers „Meister von Osnabrück“ und war lange Zeit verschollen.

Kirchplatz

Ursprünglicher Charme Der Kirchplatz ist von zahlreichen windschiefen Fachwerkhäusern aus unterschiedlichen Epochen umsäumt, die ältesten prägen seit dem 16. Jahrhundert den idyllischen Platz. Hier scheint die Zeit stehengeblieben und ich finde den leicht morbiden Charme einzelner Häuser unglaublich faszinierend. Sie waren vielen Generationen ein schützendes Dach über dem Kopf und haben sogar den 30-jährigen Krieg überstanden. 

Symbole der Aussöhnung Auf dem Kirchplatz stehen rechts und links der St. Martin Kirche der Sachsenherzog „Widukind“ und der König der Franken „Karl der Große“ und ich finde sie kommen in dem mittelalterlichen Ambiente sehr gut zur Geltung. Sie symbolisieren die Aussöhnung zweier Erzfeinde. Die über 2 Meter großen Bronzefiguren wurden anlässlich der 550-Jahrfeier der Kirche aufgestellt. Der Sachsenkönig hält ein stumpfes Schwert und eine Bibel in den Händen. Widukind zog gegen Karl den Großen 777-785 in den Sachsenkrieg. Sein Name bedeutet so viel wie „Waldkind“ und war wahrscheinlich ein Beiname und kein Eigenname. Karl der Große hält einen Reichsapfel sowie ein scharfes Schwert in seinen Händen. Er besiegte die Sachsen, führte unter Zwang die Christianisierung und die Eingliederung Sachsens in das Fränkische Reich ein.

Mäntelhaus

Eyecatcher am Kirchplatz Das ehemalige „Mäntelhaus“ fiel mir sofort ins Auge. Die Grafen von Hoya legten dort vor dem Kirchenbesuch ihre Mäntel ab. Da die letzten der Adelslinie 1532 verstarben, muss das Baujahr früher sein. 1971 wurde das Backstein-Fachwerkhaus komplett saniert und beherbergt heute eine Weinhandlung mit Ausschank.

Spargelbrunnen

Ein Ehrenmal für die Königin des Gemüses Am Anfang der Lange Straße steht vor einer malerischen Fachwerk-Kate der Spargelbrunnen, direkt dahinter verläuft der 520 Kilometer lange Weserradweg. Der Brunnen mit fünf lebensgroßen Figuren wurde von dem hannoverschen Bildhauer Helge Michael Breig geschaffen und nimmt auf den Spargelanbau in Nienburg Bezug. Der Nienburger Spargel ist überregional bekannt und eine Marke, seit 1900 wird auf einer Fläche von 500 Hektar das leckere Edelgemüse in der Region angebaut. Die Weserstadt gehört somit zu den 10 größten Spargel – Anbaugebieten Deutschlands und hat ihm sogar ein eigenes Museum gewidmet, dieses stelle ich dir später noch vor. Der Nienburger Spargel wird für seinen besonders lieblichen Geschmack geschätzt, den er den leichten Geestböden entlang der Weser zu verdanken hat. 

Posthof

Historisches Denkmal Der sogenannte „Posthof“ ist ein 1560 erbauter ehemaliger Burgmannshof und verbindet somit zwei interessante Nutzungen, auf die ich gerne etwas näher eingehen möchte. In Burgmannshöfen bewohnten Burgmänner, die vom Burgherrn, meist Grafen oder  Mitglieder des hohen Adels beauftragt waren ihre Burg zu bewachen, zu verwalten und zu verteidigen. Sie wurden für ihre Dienste mit Naturalien und einer Unterbringung in repräsentativen Höfen, den Burgmannshöfen entlohnt, in Nienburg soll es 11 davon gegeben haben, drei sind bis heute noch erhalten. Den Namen „Posthof“  erhielt das Gebäude für die Unterbringung der königlich-hannoversche Posthalterei mit einer Poststation und Pferdewechsel. Heute wird das geschichtsträchtige Gebäude als Stadtbibliothek genutzt. An der Hausseite ist ein Glockenspiel angebracht, das dreimal täglich die Melodie des Liedes „Ich bin die kleine Nienburgerin“ spielt. 

Kleine Nienburgerin & Calenberger Bur

Beliebter Selfiespot Auf dem Platz hinter dem Posthof steht die Symbolfigur Nienburgs, die „Kleine Nienburgerin“ in Form einer 1,65 m großen Bronzefigur. Sie wurde anlässlich des 950-jährigen Stadtjubiläums von der Herforder Künstlerin Marianne Bleeke-Ehret 1975 erschaffen und 1979 aufgestellt. Vor dem Posthof steht die Bronzefigur des „Calenberger Bur“. Die kleine Nienburgerin ist ein altes Volkslied, das um 1900 in der Region sehr bekannt war und in dem das Mädchen und der „Calenberger Bur“ abwechselnd ihre Kleidung besingen. Diese Art im Wechsel zu singen entstand oft an Landesgrenzen, um sich gegenseitig zu necken. Die Nienburgerin singt auf Hochdeutsch und der Bur auf Plattdeutsch: „Ich bin die kleine Nienburger-, Nienburgerin….“Ick bin dei ole Kalenbarger, Kalenbarger Bur“…

Europas schönster Wochenmarkt

Mit allen Sinnen genießen Jeden Mittwoch und Samstag findet von 8 bis 13 Uhr der Wochenmarkt in der Fußgängerzone statt. 2008 wurde er von der gemeinnützigen Stiftung „Lebendige Stadt“ aufgrund seines innovativen und lebendigen Wochenmarktkonzeptes zum schönsten Wochenmarkt Europas gekürt. Die Auszeichnung bestätigt die außergewöhnliche Angebotsvielfalt, Qualität und ansprechende Warenpräsentation. 60 Marktbeschicker bieten ausschließlich Waren eines „grünen Marktes“ an, das heißt es werden nur Produkte wie Lebensmittel, Blumen und Pflanzen angeboten und das Angebot ist wirklich außergewöhnlich! Viele Leckereien wie Torten, Gebäckspezialitäten aus ganz Europa, regionale Wurst und Käsesorten, Fisch und in den Monaten Mai/Juni der berühmte Nienburger Spargel werden in teilweise originellen Buden angeboten. Der Markt ist auffallend gut besucht, die Stimmung gut und für viele Nienburger stellt der Besuch einen festen Bestandteil im Alltag dar.

Spaziergang an der Weser

Vom Alltag abschalten Ich liebe Flusslandschaften und ihre entspannende Wirkung auf Körper, Geist und Seele. Direkt an der Altstadt fließt die Weser auf ihrem Weg von Hann.Münden nach Cuxhaven vorbei. Sie ist schon immer die Lebensader der Region. Gerade am Abend erlebt man eine magische Stimmung, die den Alltag schnell in den Hintergrund treten lässt. Das Licht spiegelt sich im Wasser, Kanufahrer drehen ihre letzten Runden und mit etwas Glück ergattert man eine der in der warmen Abendsonne gelegenen Sitzbänke.

Fachwerk entdecken

Fächerrosette

Fächerrosetten der Weserrenaissance An Nienburgs Fachwerkhäusern lassen sich wunderschöne unterschiedliche Fachwerkschmuckformen entdecken, daher Augen auf beim Stadtspaziergang! Der Fachwerkbestand reicht von kleinen Ackerbürgerhäusern, prächtigen Bürger- und Patrizierhäusern bis zu mittelalterlichen Burgmannshöfen. Die Fächerrosette, ein beliebtes Symbol der Renaissance, sieht man häufig, z.B. an den Fassaden am Kirchplatz. 

Hasbergscher Hof mit Spruchband und schmuckreichen Verzierungen
Ziegelsteinfachwerk
Psalm Inschriften, Füllhölzer mit floralen Ornamenten, Zahnschnitte

Sehenswert: Ein absolutes Fachwerkhighlight findet man im Innenhof des „Hasbergschen Hofs“. Der ehemalige Burgmannshof mit Haupthaus und Nebengebäude wurde 1653 bzw. 1510 als Backsteinfachwerk in unmittelbarer Nähe zur Weser erbaut. Über die Fassade des Nebengebäudes zieht sich ein Psalmen-Spruchband, das ich in so einer Länge bisher noch nicht gesehen habe. Den Namen hat der Hof von seinen Erbauern, der Familie von Hasbergen, die 1189 erstmals auf der Burg in Hasbergen bei Delmenhorst erwähnt wurde. Die Familie gehörte zu den Burgmännern der Grafen von Hoya und waren dort bis ins frühe 19. Jahrhundert wohnhaft.

Nienburg/Weser - Mitglied der Deutschen Fachwerkstraße

Fachwerk auf der Deutschen Fachwerkstraße erleben Aus der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte entstand 1990 die Deutsche Fachwerkstraße, die sich zu einer der beliebtesten Kultur- und Ferienstraßen Deutschlands entwickelt hat. Auf einer Gesamtlänge von über 3.900 km verbindet die mittlerweile in acht regionale Teilstrecken unterteilte Straße unter dem Motto „Fachwerk verbindet“ über 120 Fachwerkstädte mit ihren Sehenswürdigkeiten, Kulturdenkmälern, Traditionen und abwechslungsreichen Landschaften. Nienburg liegt auf der regionalen Teilstrecke „Von der Elbe zum Harz – Die Schönsten im Norden“ und bereichert das Ferienerlebnis mit zahlreichen Fachwerkhäusern aus unterschiedlichen Epochen, den typischen Backsteinbauwerken des Nordens, sehenswerten Museen und der idyllischen Lage an der Weser.

Info: Weitere Informationen zur Deutschen Fachwerkstraße, den Mitgliedsstädten und Regionalstrecken findest Du auf www.deutsche-fachwerkstrasse.de.

Nienburg/Weser auf einer Stadtführung kennenlernen

Tipp: Die Tourist Information hat viele unterschiedliche Stadtführungen im Angebot, für mich gehört ein Rundgang mit den Gästeführern zu jeder Stadtbesichtigung einfach dazu. Ob ein Rundgänge mit dem Nachtwächter oder der Marktfrau Susanna, von Kriminalgeschichten und Nienburger Frauen, für jeden ist ein interessantes Thema dabei. Mich begleitete die erfahrene und sehr nette Gästeführerin Frau Voepel durch Nienburg und ließ mich an Sagen und Legenden teilhaben, zeigte mir die schönsten und verstecktesten Ecken und gab mir ein paar wertvolle Tipps mit. Vielen Dank für die schöne Tour und tollen Gespräche liebe Frau Voepel! 

Info: www.mittelweser-tourismus.de 

Bärentatzen Rundweg

Immer dem Bären nach Wenn du durch die Nienburger Altstadt oder über den Wochenmarkt spazierst, werden dir weiße Bärentatzen auf dem Boden auffallen. Sie sind Wegweiser und führen dich zu 32 Sehenswürdigkeiten, sehenswerten Häusern und Skulpturen. An der Tourist Information ist der Start und dort erhältst du auch zu dem 3,6 km langen Rundgang einen Flyer mit Hintergrundinformationen zu den einzelnen Stationen. Also, erst auf dem Wochenmarkt schlemmen und bummeln und anschließend auf der Bärenspur die schönsten Ecken entdecken, es lohnt sich!

Adresse Tourist Information: Lange Straße 18

Museen in Nienburg/Weser

Einblicke in die Geschichte und Kultur der Region Nienburgs Regionalmuseum ist sehr gut aufgestellt, Geschichte wird modern und visuell ansprechend vermittelt und einen Besuch kann ich dir nur empfehlen. Drei Häuser-Drei Themen, ich habe sie alle besucht und zeige sie dir.

Fresenhof

Moderne Präsentation in historischen Mauern Im Fresenhof, einem ehemaligen Burgmannshof aus dem 16. Jahrhundert ist das Hauptgebäude der Nienburger Museen untergebracht. Das historische Gebäude bietet den perfekten Raum für die Dauerausstellung zur Archäologie der Region und der Stadtgeschichte. Drei Ausstellungsbereiche sind auf 2 Stockwerken eingerichtet: Altsteinzeit bis Frühmittelalter, Mittelalter bis Gegenwart sowie Frühzeit der Nienburger Industralisierung. Wechselnde Sonderausstellungen sind beständiger Teil des Ausstellungsspektrums. Die Themenbereiche sind modern mit Lichtinstallationen, Informationstafeln und Fundstücken gestaltet und ich finde die moderne Präsentation in historischen Mauern sehr gelungen. Im Erdgeschoss nehmen uns Mammutknochen, Tongefäße und frühzeitliche Gebrauchsgegenstände zu den Anfängen der ersten Siedlungen mit. Auf dem Rundgang erfährt man u.a. über die ersten Menschen an der Mittelweser, über Rentierjäger und über Broschen, sogenannte Fibeln, die in Frauengräbern gefunden wurden und im 4. und 5. Jahrhundert ihre Oberkleider an den Schultern schlossen. In Männergräbern wurden hauptsächlich Waffen aus Bronze und Eisen gefunden, es waren wohl reiche Krieger. 

Von Rittern, Frauenrechtlerinnen und Biskuit Im Obergeschoss taucht man in die Stadtentwicklung- und Geschichte vom Mittelalter bis in die Gegenwart anhand von Karten, Bildern und zahlreichen Exponaten ein und lernt u.a. die stadtprägenden Grafen von Hoya und Luise Wyneken, die sich für das Frauenwahlrecht in Nienburg einsetzte und erste weibliche Stadträtin war, kennen. Interessant finde ich auch die Geschichte des „Bärentatzen-Biskuits“, der überregionale Bekanntheit erlangte und man heute noch in einer Nienburger Bäckerei kaufen kann, später dazu mehr.

Öffnungszeiten: Di, Mi, Do 10-17 Uhr, Fr 10-13 Uhr, Sa-So 14-17 Uhr, feiertags 14-17 Uhr

Eintritt: 4 €, Kinder 1 €

Adresse: Leinstraße 48

Quaet Faslem Haus

Klassizismus in seiner schönsten Form Für alle Liebhaber des Klassizismus habe ich einen ganz besonderen Tipp! Das Quaet-Faslem-Haus in Nienburg ist eine Villa im klassizistischen Stil, die vom belgisch-deutschen Architekten und Bauingenieur Emanuel Bruno Quaet-Faslem 1821 als Wohnhaus errichtet wurde und besichtigt werden kann. Quaet-Faslem war aufgrund seines Engagements in Nienburg Ehrenbürger der Stadt. Er war Senator für Bauwesen und Gründungsmitglied der Nienburger Freimaurerloge, förderte die klassizistische Umgestaltung des Stadtbildes sowie den Aufbau einer Realschule. 

Französische Tapeten und klare Linien Sein kubisches Wohnhaus mit drei Anbauten, Biedermeiergarten und Lapidarium steht heute für verschiedene Veranstaltungen zur Verfügung und beherbergt eine sehenswerte Sammlung aus Kunst, Geschichte und Architektur. Die Kunstepoche Klassizismus löste den Barock und Rokoko ab und besticht mit klaren Linien, einfachen Formen und hellen Farben. Die Decken der Repräsentationsräume im Obergeschoss sind mit originalen, farbigen französischen Deckentapeten geschmückt. Beeindruckend ist auch das „Tapetenzimmer“ im Erdgeschoss. Die handgemalten Tapeten stammen aus einem Haus in der Lange Straße 44 und wurden bei Abrissarbeiten freigelegt. 

Öffnungszeiten: Di, Mi, Do 10-17 Uhr, Fr 10-13 Uhr, Sa-So 14-17 Uhr, feiertags 14-17 Uhr

Eintritt: 4 €, Kinder 1 €

Adresse: Leinestraße 4

Niedersächsisches Spargelmuseum

Vom Feld zum Teller Ich liebe Spargel und freue mich stets auf den Beginn der neuen Spargelsaison. Am liebsten esse ich ihn ganz klassisch mit Sauce Hollandaise, aromatischen Schinken und Salzkartoffeln. „Vom Feld zum Teller“ lautet der Leitfaden durch das niederländische Spargelmuseum. Untergebracht ist das Spezialmuseum auf dem malerischen Grundstück des Quaet-Faslem-Hauses in einem fast 400 Jahre alten Hallenhaus, einem schornsteinlosen Rauchhaus aus dem 15 km entfernten Dolldorf. 1963 wurde das Kleinbauernhaus auf dem Museumsgelände wieder aufgebaut. Spargel und Fachwerk – ich lieb’ einfach beides!

Die größte Spargelskulptur der Welt Das Außengelände bietet Einblicke in den Spargelanbau und die benötigten Gerätschaften. Kleine Museumsgäste können an themenbezogenen Spielgeräten zu Spargelbauern werden und zur Spargelsaison auf einem kleinen Spargelfeld das Gemüse selbst stechen, natürlich dürfen auch die Erwachsenen sich als Spargelstecher ausprobieren. Stolz ist man auf die größte Spargelskulptur der Welt, die mit einer Höhe von 4,50 m und einem Gewicht von 900 kg den Weltrekord nach Nienburg brachte.

Modern und zeitgemäß Im Inneren wird auf die Esskultur des Königsgemüses eingegangen. Die wertvolle Burgdorfer Spargelsammlung zeigt die spezielle Spargel-Tischkultur aus 5 Jahrhunderten. Mit dem Touch-Display-Tisch im Erdgeschoss und der virtuellen Traktorfahrt für Kinder im Obergeschoss ist das Museum definitiv im 21. Jahrhundert angekommen. So macht Museum Groß und Klein Spaß!

Öffnungszeiten: Di, Mi, Do 10-17 Uhr, Fr 10-13 Uhr, Sa-So 14-17 Uhr, feiertags 14-17 Uhr

Eintritt: 4 €, Kinder 1 €

Adresse: Leinestraße 4

Polizeimuseum Niedersachsen

Tatorte, Kriminalfälle und Polizeifahrzeuge Die Polizeiakademie Niedersachsen hat in zentraler Lage ein Museum auf einer Fläche von 700 m2 eingerichtet, das sich mit der Geschichte ihres Berufes befasst. Vom Mittelalter zur Gegenwart, von der Pickelhaube, über die erste Frau im Polizeidienst bis zu Eignungstests anno 1919, man erhält Einblicke in die Entwicklung der einzelnen Tätigkeitsfelder und Traditionen unserer Polizei. Auf dem Rundgang sind unterschiedliche, teilweise auch skurrile historische Polizeifahrzeuge der niedersächsischen Polizei wie eine Polizei-Isetta, ein Polizeikäfer oder ein Polizeifahrrad ausgestellt. Man lernt das Spürwildschwein Luise kennen, die von 1984-1987 speziell für die Suche nach Rauschgift und Sprengstoff ausgebildet wurde und das erste Wildschwein der Welt im Polizeidienst war. Sie war jedoch nicht das einzige Tier im Einsatz, auch Reiter-und Hundestaffeln leisten schon lange einen wichtigen Beitrag in der Verbrechensbekämpfung. 

Der Schlächter von Hannover Wenn du eher zart besaitet bist, scrollst du jetzt am besten weiter, denn ich erzähle dir etwas über den Serienmörder Fritz Haarmann, dem im Obergeschoss ein eigener Bereich gewidmet ist. Haarmann versetzte in den 1920er Jahren Hannover in Angst und Schrecken, als ich mich mit seinen Taten näher beschäftigte, wurde mir wirklich schlecht. Er ermordete 24 junge Männer im Alter zwischen 10-22 Jahren und wurde 1925 in Hannover hingerichtet. Seine Taten brachten ihm die Beinamen „Der Vampir“, „Der Schlächter“, „Der Kannibale“ und „Der Werwolf von Hannover“ ein. Nachdem Kinder beim Spielen am Fluss Leine einen menschlichen Schädel fanden, kamen 500 weitere Leichenteile zutage. Die Polizei begann nach einem  Monster zu suchen. Fritz Haarmann saß bereits öfters wegen sexuellem Missbrauch von Kindern und Kleinkriminalität im Gefängnis. Seine Opfer, oft heimatlose Jungen und Prostituierte, fand er am Bahnhof Hannover. Er lockte sie mit gutem Essen zu sich nach Hause, vergewaltigte sie, zerstückelte sie und entsorgte sie anschließend in der Leine. Da er mit Fleisch und Altkleidern handelte und nicht alle Leichenteile gefunden wurden, sind einige davon überzeugt, dass in so mancher Wurst vielleicht…

Öffnungszeiten: Mai-August: Mi+Do 10-17 Uhr, Sa 10-13 Uhr, So 14-17 Uhr 

September-April: Mi+Do 10-17 Uhr, Sa 10-13 Uhr

Eintritt: frei

Adresse: Lange Straße 20-22

Meine Gastronomie- und Café Tipps

Nienburger Bärentatze

Eine Nienburger Erfolgsgeschichte Super fluffiger Biskuit in einer Bärentatzenform gebacken und mit einer Glasur aus zartbitterer Schokolade ist eine Nienburger Spezialität, die du unbedingt probieren musst. Das Traditionsgebäck wird „Nienburger Bärentatze“ genannt und ist eine Erfindung des 1791 zugezogenen Hugenotten Albert Facompré. Er eröffnete eine Bäckerei, erlangte schnell überregionalen Erfolg  und sein „Nienburger Biskuit“ wurde sogar im „Mitropa-Speisewagen“ angeboten. Das feine Gebäc kannst du in der Bäckerei Deicke kaufen, vor Ort mit einer Tasse Kaffee oder wie ich, auf einer Bank an der Weser genießen.

Adresse: Lange Straße 41

Garbes Weser-Café

Ein Traum aus Joghurt und Feige Direkt am Weserradweg liegt das Garbes Weser-Café mit nordischem Küstenambiente. Dort bekommt man einen so unglaublich leckeren Kuchen und selbstgebackene Torten, die Auswahl an kreativen Sorten ist großartig. Bis auf die Frühstücksbrötchen wird hier alles selbst gebacken. Die Joghurt-Feigen-Torte schmeckt sehr fein und nicht zu süß, die musst du bei deinem Besuch in der Weserstadt einfach probieren! Der Service ist wie man ihn sich als Gast wünscht, aufmerksam und freundlich. Inhaber Jörn Garbe hat auch drei Mitarbeiter die von der Lebenshilfe betreut werden eingestellt und hat seine Segel auf Inklusion, Toleranz und Teilhabe gesetzt. Außer den köstlichen Torten wird auch abwechselnd ein Frühstücksbuffet und Frühstück à la carte angeboten, mittags gibt es aus der Kombüse beliebte Gerichte wie Schweinefiletspitzen „Zürcher Art“, „Weserplatte“ das ist eine Currywurst mit Pommes, Matjeshering mit Bratkartoffeln, „Fish & Chips“ oder „Rote Linsen Dal“. 

Adresse: Lange Straße 11, Zugang über Weserwall

Wirtshaus zum schwarzen Keiler

Mittelalterliche Erlebnisgastronomie Das „Wirtshaus zum schwarzen Keiler“ liegt in der Weserstraße, die zu den ältesten Straßen Nienburgs zählt und direkt an die Weser führt. Dort findest du in einem prächtigen Fachwerkhaus von 1586 das urige Wirtshaus mit richtigem Mittelalter-Flair. Seit über 20 Jahren entführt Wilhelm Baron von Dornfeld seine Gäste ins mittelalterliche Nienburg und kocht leckere Gerichte nach mittelalterlichen Rezepten. Auf der Karte findest Du deftiges aus dem Kessel wie Irish Stew oder Waldpilzsuppe à la Robin Hood, Vesperplatten und Fleischgerichte vom Hirsch, Wildschwein, Rind oder Känguru à la James Cook. Die Speisekarte nur schon zu lesen ist ein Erlebnis und Vegetarier finden auch etwas Fleischloses. Zu allem passen die regionalen Biere im Steinkrug bestens. Die Schankmägde- und Knechte servieren die Speisen originalgetreu auf rustikalem Geschirr und gespeist wird mit Holzlöffeln und Dolch. Was für ein kulinarisches Abenteuer! Ich wählte das „Geschnetzelte vom Hühnerfilet“ mit Zwiebeln, frischen Champignons, geschmort in einer dunklen Pfeffersauce und Schwenkkartoffeln nach Art des Hauses und zum Nachtisch die „Sahnecreme mit kandierten Nüssen“, sehr lecker!

Mehr Mittelalter geht nicht Gruseln darf man sich nicht, denn Skelette, Totenköpfe und mittelalterliche Waffen gehören zur Dekoration und unterstreichen das gastronomische Erlebnis, im Obergeschoss ist ein eigener  Raucherbereich eingerichtet. Die Folk-Rock Band Versengold hat dem Schwarzen Keiler sogar einen eigenen Song gewidmet, der von Trunkenbolden, Frohsinn und Rittersmännern handelt. Da das Gasthaus sehr gut besucht ist und auch regelmäßig Events veranstaltet, empfehle ich unbedingt einen Tisch rechtzeitig zu reservieren, beachte bitte, dass Kartenzahlung nicht möglich ist.

Adresse: Weserstraße 9

Hasbergscher Hof

Genusstipp: Der „Hasbergscher Hof“ gilt als die „Gute Adresse“ Nienburgs und liegt direkt am Weserradweg. In dem ehemaligen Burgmannshof aus dem 16. Jahrhundert findest du leckerste Rinderrouladen, Fleischklassiker der deutschen Küche aber auch Forellengerichte auf der Karte. Werktags wird zwischen 12 und 14 Uhr ein reichhaltiges Mittagsbuffet angeboten. Das Ambiente und Service ist klasse, das Essen ist sehr lecker und die Portionen sind reichlich. Je nach Wetterlage kann man auch draußen mit Blick auf die Weser oder im lichtdurchfluteten  Wintergarten sitzen, absolut empfehlenswert!

Adresse: Wallstraße 5

Übernachten im Hotel Ambiente Nienburg

Klein aber fein Im Herzen der Altstadt, nur eine Gehminute vom Kirchplatz entfernt, liegt das kleine, kuschlige Fachwerkhotel „Hotel Ambiente Nienburg“, das von Kathrin Weghöft liebevoll geführt wird. 2012 ließ sie das im 17. Jahrhundert erbaute Haus sanieren und zu einem komfortablen Hotel mit sechs Doppelzimmern umbauen. Die Lage ist für eine Städtereise oder Radtour auf dem Weserradweg ideal, die Fußgängerzone und die Weser sind nur wenige Meter entfernt und hübsch anzusehen ist es auch! Ein kleiner Fachwerktraum!

Liebevoller Start in den Tag Das Frühstück wartet morgens bereits nach individuellen Wünschen gerichtet am Tisch und wird nach Bedarf nochmals nachserviert, so fühlt man sich schon am frühen Morgen wie zuhause.

Adresse: Heilige-Geist-Straße 4



Dieser Beitrag enthält Werbung und entstand in Zusammenarbeit mit der Stadt Nienburg/Weser und der Deutschen Fachwerkstraße.

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