[ANZEIGE] Das Schöne ist oftmals so nah und so stand an einem Oktoberwochenende eine Reise in das von mir nur 35 km entfernte Bietigheim-Bissingen auf dem Programm. Die vom Weinanbau geprägte Kleinstadt im Landkreis Ludwigsburg bietet abwechslungsreiche Möglichkeiten für eine entspannte und genussvolle Auszeit. Auf einem Spaziergang durch die lebendige Altstadt entdeckt man urige Fachwerkhäuser, malerische Gassen, moderne Skulpturen und ein Fachwerk- Stadtschloss. Im prächtigen Stadtmuseum Hornmoldhaus taucht man in die Welt der Renaissance ein und lernt an coolen, digitalen Mitmachstationen die ereignisreiche Stadtgeschichte kennen. Die Flüsse Enz und Metter fließen direkt unterhalb der Altstadt und laden zu entschleunigenden Spaziergängen und Radtouren ein. In diesem Beitrag zeige ich dir meine Bietigheim-Bissingen Highlights, nehme dich mit auf einen Stadtrundgang und gebe dir wie immer wertvolle Tipps zu Kulinarik und Unterkunft an die Hand.
Inhalt

An steilen Weinhängen gelegen

Vom Weinanbau geprägt Bietigheim-Bissingen liegt idyllisch eingebettet zwischen Streuobstwiesen, Waldwegen und den steilen Weinhängen der Weinregion Kraichgau-Stromberg. Der Weinanbau ist in der Altstadt allgegenwärtig. Für die Lagerung der Weine befinden sich bis heute noch unter vielen Häusern große Gewölbekeller. Die Weinbauern werden in der Region übrigens nicht Winzer, sondern Wengerter genannt. Die Arbeit in den Steillagen ist für sie sehr herausfordernd und anstrengend. Der Lohn sind erstklassige Weine, die in den zahlreichen Besenwirtschaften „Besen“ ausgeschenkt werden. In anderen Weinanbauregionen kennt man sie auch als „Straußi“, „Kränzle“, „Häcke“ oder „Rädle“. Dahinter steckt eine lange, genau geregelte Tradition. Im Jahr 812 erlaubte Karl der Große den Weinbauern einen Teil ihrer Weine in einfacher Umgebung, mit maximal 40 Sitzplätzen, zu einfach zubereiteten Speisen, ausschenken zu dürfen. Der Zeitraum ist bis heute streng auf 4 Monate nach der Weinlese über 2 Zeiträume verteilt festgelegt. Die Besenwirtschaften erkennt man an den Reisigbesen, die mit bunten Bändern geschmückt den Weg weisen und zeigen, dass der Besen geöffnet hat. Ich werde dir später noch eine sehr empfehlenswerte im Herzen der Altstadt vorstellen.
Typisch Schwäbisch

An alles kommt ein -le Bietigheim-Bissingen liegt im „Ländle“ wie wir Baden-Württemberger liebevoll unsere schöne Heimatregion nennen. Im Kreis Ludwigsburg spricht man Schwäbisch, wie man nicht nur überall hören kann, sondern sich auch an den vielen Straßenschildern wiederspiegelt. Man hängt an vieles zur Verniedlichung ein -le. So wird aus der Gasse ein „Gässle“, aus einem Schatz ein „Schätzle“, aus einem Mädchen ein „Mädle“ und aus einem Glas Wein ein „Viertele“.
Meine Bietigheim-Bissingen Highlights

Aus zwei wurde eins Bis 1975 waren die Stadt Bietigheim und die benachbarte Gemeinde Bissingen an der Enz eigenständig, im Zuge der Gebietsreform wurden sie zur Großen Kreisstadt Bietigheim-Bissingen zusammengeschlossen. Die Altstadt mit den Sehenswürdigkeiten und malerischen Gassen befindet sich in Bietigheim und dort beginnt auch mein Rundgang.
Rathaus Bietigheim


Alles unter einem Dach Das Bietigheimer Rathaus liegt zentral am Marktplatz, du kannst es mit seiner wunderschönen grün/gelben Bemalung kaum übersehen. Das dreistöckige Gebäude wurde 1507 in Fachwerkbauweise aus Tannen- und Eichenholz erbaut, 1780 jedoch verputzt und bemalt. Es soll bereits das dritte Rathausgebäude am Marktplatz sein, leider sind genauere Informationen zum Bau während des Bauernkriegs 1525 verloren gegangen. Wie die meisten Rathäuser war es für das städtische Leben schon immer ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt und ein Multifunktionsgebäude, alles Wichtige war unter einem Dach vereint. Im Erdgeschoss befand sich die große Markthalle, im 1. Obergeschoss der Festsaal und im 2. Obergeschoss die Gerichts- und Ratsstube. Für mich zählt es mit der großen Freitreppe, dem märchenhaften Erkerturm, der kunstvollen Uhr und dem üppigen Blumenschmuck zu den schönsten Süddeutschlands. Aktuell (Stand Mai 2026) wird das Rathaus saniert und ist hinter einem Baugerüst versteckt.
Marktbrunnen am Marktplatz

Ein Platz voller Leben Der Bietigheimer Marktplatz ist von zahlreichen verputzten Fachwerkhäusern umgeben, das historische Ambiente ist einfach zu schön. Aber warum versteckte man die wunderschönen Fachwerkhäuser eigentlich hinter „langweiligen“ Putz? Zum einen schützt der Putz die alten Holzbalken vor Witterung, zum anderen galten ab dem 19. Jahrhundert Fachwerkhäuser als „ärmlich“. Man wollte zeigen, dass man „steinreich“ war, denn Häuser aus Stein waren sehr teuer, symbolisierten Wohlstand und so schummelte man sich durch Putz eine steinerne Fassade. Der Marktplatz ist ein sehr belebter und beliebter Platz mit zahlreichen Cafés und Restaurants. Hier findet jeden Mittwoch und Samstag von 8-13 Uhr der gut besuchte Wochenmarkt und im Advent der überregional bekannte Sternlesmarkt statt.

Eine Machtdemonstration Die stolze Brunnenfigur auf dem achteckigen Marktbrunnen von 1743 ist ein richtiger Eyecatcher. Sie stellt den württembergischen Herzog Ulrich in einem Harnisch dar. Auf seinem Kopf trägt er ein Federbarett, in seiner rechten Hand ein Schild mit dem württembergischen Herzogwappen und in seiner linken einen Stab als Zeichen seiner Macht. Er symbolisiert auf diese Weise die Herrschaft des württembergischen Herzogs über die Stadt.
Stadtmuseum Hornmoldhaus

Stadtmuseum in cool Dass Stadtmuseen für alle Altersgruppen ein tolles Erlebnis sein können, beweist das Hornmoldhaus unter der Leitung der Kunsthistorikerin Frau Dr. Catharina Raible. Um das Museum für das 21. Jahrhundert fit zu machen, hat sie einige coole, digitale Angebote und Mitmachstationen entwickelt. Du musst es dir unbedingt ansehen! Alleine nur schon wegen diesem Museum, lohnt sich der Weg nach Bietigheim-Bissingen! Es gibt so viel zu dem beeindruckenden Fachwerk-Prachtbau zu erzählen, viel zu entdecken und hautnah zu erleben. Aber der Reihe nach, wir müssen erstmal den namensgebenden Sebastian Hornmold besser kennenlernen.
Sebastian Hornmold

Eine steile Karriere Sebastian Hornmold der Ältere wurde am 1. Januar 1500 in Bietigheim geboren, er hatte eine der einflussreichsten Positionen im Herzogtum inne und trug maßgeblich zum Aufstieg Bietigheims bei. Seine beispiellose Karriere begann mit dem Besuch der Lateinschule in Bietigheim. Seine schöne Stimme fiel dem württembergischen Herzog Ulrich auf, der ihn mit 10 Jahren an die Hofkantoreischule nach Stuttgart holte. Dort erhielt er eine hervorragende schulische Bildung und begann in Tübingen ein Jurastudium. Sein Förderer Herzog Ulrich missbrauchte seine Macht und kam in Folge des Überfalls auf die freie Reichsstadt Reutlingen ins Exil. Somit konnte der nun 19 jährige Sebastian sein Studium nicht fortsetzen und begann eine Schreiberlehre in Bietigheim, wo er anschließend eine Weinhandlung führte. Herzog Ulrich gelang seine Rückkehr und führte im Herzogtum Württemberg die Reformation ein, Hornmolds steiler Aufstieg begann.


Ein Strippenzieher Er schenkte seinem Zögling das verstaatlichte Pfründhaus direkt neben dem Rathaus. Hornmold erbaute sich dort in bester Lage 1536 ein repräsentatives Wohnhaus, das heutige Stadtmuseum und ließ es mit beeindruckenden Innenausmalungen ausstatten, von denen viele noch bis heute enthalten sind. Er wurde Vogt, Diplomat, Direktor des ev. Kirchenrats und überführte die katholischen Kirchengüter in den Besitz des Herzogtums. Sein Schwager war bayerischer Kanzler und Diplomat, die Ehe mit seiner Frau Anna Braun brachte ihm weitere Vorteile ein. Bietigheim wurde im Zuge des Schmalkaldischen Krieges von der Truppen von Kaiser Karl V. besetzt und sein Haus sowie der Weinvorrat von 180.000 Litern geplündert. Seine Familie floh nach Pforzheim, er selbst nach Bretten. Dank seines diplomatischen Geschicks förderte er die Aussöhnung Württembergs mit dem Kaiser. Sein Einfluss wirkte sich auf die gesamte Stadtgeschichte – und Entwicklung positiv aus, ein richtiger Strippenzieher!
Stadtgeschichtliche Dauerausstellung




Von Bietigheim an den japanischen Kaiserhof Auf über 500 Quadratmetern ist die Stadtgeschichte von der Jungsteinzeit bis ins 21. Jahrhundert dokumentiert. Ein Rundgang führt durch das Haus zu den einzelnen Themenräumen. Multimediastationen, Modelle und viele Exponate lassen die Stadtentwicklung und das Leben unserer Vorfahren lebendig werden. Schautafeln berichten von verheerenden Stadtbränden, von der Flößerei an der Enz, über die Fachwerkbauweise zur Zeit der Renaissance, von der Stadtgründung und das städtische Leben im Mittelalter und vielen weiteren spannenden Geschichtsthemen. Ein Highlight ist das „Erwin von Baelz Kabinett“, eine Sammlung des Bietigheimer Arztes, der in Japan Leibarzt des Kaisers war und Erinnerungsstücke, Kunstwerke und Abschiedsgeschenke des Kaisers beinhaltet.
Bietigheimer Weinregister

In digitalisierten Aufzeichnungen schmökern Ein weiteres Highlight ist ein kleines Wandschränkchen aus dem 16. Jahrhundert. Darin verbirgt sich das von Sebastian Hornmold begonnene Weinregister. Bis heute werden darin die Preise und Qualitäten der Bietigheimer Weine dokumentiert. Das verschlossene Register wurde digitalisiert, mit Erläuterungen ergänzt und kann auf einem Tablet eingesehen werden. Die Daten sind für die Wissenschaft sehr spannend, denn es lassen sich Rückschlüsse auf globale Ereignisse, wie das Jahr ohne Sommer, schlechte Ernten und Schädlingsbefall schließen.
VR-Brille & Escape Room

Für die ganze Familie Richtig cool sind die digitalen Angebote. Im Escape Room reist man in die 1970er Jahre zurück und hilft der „Initiative für eine humane Stadt“ den Abriss des Hauses zu verhindern. Man hat eine Stunde Zeit, um den Hinweisen im Raum zu folgen, Rätsel zu lösen und gemeinsam das Ziel zu erreichen. In die japanische Schwertkunst könnt ihr mit Hilfe der VR- Brille eintauchen, sowie den Weinkeller, Geheimgänge und das Museumsdepot erkunden. Ein tolles Erlebnis für die ganze Familie. Geschichte kann schon die kleinsten packen!
Renaissance erleben



Auf Schatzsuche Das Hornmoldhaus gilt zu Recht als eines der besterhaltenen und schönsten Bürgerhäuser der Renaissance in Süddeutschland. Als Fachwerkliebende haben mich natürlich die Wandmalereien, die im ganzen Haus Decken und Wände schmücken, am meisten beeindruckt. Es soll in Deutschland kein weiteres Bürgerhaus mit derart vielen Malereien geben. Dieses Haus ist ein absolutes Muss für jeden Fachwerk- und Renaissance-Interessierten! Viele Wandbilder sind noch original aus dem 16. Jahrhundert, manche wurden rekonstruiert. Unfassbar schön sind sie alle! Ist es nicht unglaublich, was für Schätze das Haus verbirgt?!
Sommerstube


Rückzugsort für heiße Tage Ein ganz besonderer Raum ist die sogenannte „Sommerstube“. In der früheren Scheune hielt man sich nur in den heißen Sommermonaten auf, denn der ruhige Raum mit schöner Aussicht war nicht beheizbar. Er liegt hoch über der Stadtmauer und ist im Sommer angenehm kühl. Faszinierend sind auch hier wieder die Innenausmalungen, die florale und religiöse Motive sowie satirische Darstellungen zeigen. Die sogenannten Vexierbilder zeigen je nach Blickwinkel des Betrachters entweder kirchliche Würdenträger oder ihre Verzerrungen als Narr mit Schellenkappe oder Teufelsfratze, kritische Karikaturen der Renaissance sozusagen.
Adresse: Hauptstraße 57
Öffnungszeiten: Mi-Fr 13:45 – 17:45 Uhr, Sa + So u. feiertags 10:45 -17:45 Uhr
Der Eintritt ist kostenlos.
Tipp und Quellenangabe: Viele Informationen zum Haus habe ich in dem Buch „Das Bietigheimer Hornmoldhaus- Die Malereien“ v. G. Bentele gefunden, es ist im Stadtmuseum erhältlich.
Physikat & Lateinschule

Zwei schöne Direkt hinter dem Hornmoldhaus findest du zwei weitere prächtige Fachwerkhäuser, die von der württembergischen Fachwerkbaukunst zeugen. Das grüne ist das Physikat. Es wurde 1568 als Stadtschreiberei erbaut. Von 1704-1840 wohnte hier der Stadt- und Landarzt, der Physikus. Das rote ist die Lateinschule, die hier von 1547 bis 1953 untergebracht war. Sie wurde bereits 1476 als Stadthaus des niederadeligen Herren von Nippenburg erbaut, heute ist hier das Stadtarchiv untergebracht.
Bietigheimer Schloss



Fachwerkschloss Das Bietigheimer Schloss ist als solches auf den ersten Blick nicht zu erkennen, man hat doch eine etwas andere Vorstellung davon, wie ein Schloss auszusehen hat. Es liegt an der Hauptstraße, nicht weit vom Marktplatz entfernt. Der Fachwerkgebäudekomplex wurde 1707 nach einem Brand als schlichtere Nachfolgeversion des ursprünglichen württembergischen Amtsschlosses neu erbaut und diente seitdem als Vogtei, Lager- und Wirtschaftsgebäude und Kellerei. Es lohnt sich auch einen Blick in den Innenhof zu werfen, das historische Ambiente ist großartig! In der Anlage befindet sich heute das Finanzamt, die Volkshochschule, die Musik- und Kunstschule und eine beliebte Brauereigaststätte.
Der Turm der grauen Pferde


Schimmernde Rösser Die Stadt Bietigheim ließ in den 1980er Jahren im Rahmen der Stadtsanierungen Skulpturen namenhafter Künstler aufstellen. Auf deinem Stadtspaziergang wirst du einige entdecken. Am unteren Ende der Hauptstraße am Hillerplatz steht an der Stelle des ehemaligen Obertorturmes der „Turm der grauen Pferde“. Die 11 Meter hohe, mattschimmernde Aluminiumskulptur wurde vom Bildhauer Jürgen Goertz 1993 erschaffen und fasziniert mich jedes Mal. Die Skulptur spielt u.a. auf verschiedene städtische Themen an. Die Pferde symbolisieren das beliebte Volksfest Pferdemarkt, die Rundbogenarkaden das Viadukt und die weiblichen Porträts die alten Erdteile. Dahinter steht seit 2002 die Villa Visconti, an deren Gestaltung Jürgen Goertz ebenfalls beteiligt war. Namensgebend ist die Mailänder Gräfin Antonia Visconti (1350-1405), Ehefrau des Grafen Eberhard der Milde von Württemberg. Die Fassade zeigt zahlreiche Porträts berühmter Persönlichkeiten wie Charlie Chaplin, Christoph Columbus oder Stephen Hawking. Ob du wohl alle erkennst?
Stadtmauer mit Wehrgang

Zeugnis der Verteidigungsanlage An die Zeit, als Bietigheim noch eine Verteidigungsanlage mit Tortürmen und einen Stadtgraben besaß, erinnert das kleine Stück der alten Stadtmauer mit Wehrgang von 1364. Ein kleiner Durchgang an der Hauptstraße (Zugang auf der Höhe des Schlosses) führt zu dem etwas versteckt liegenden Mauerabschnitt.
Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen


Moderne Kunst in alten Gemäuern Die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen stellt moderne und zeitgenössische Kunst aus und einen Besuch kann ich dir nur empfehlen. Die zwei Gebäudeteile, eine historische Getreidescheune und ein zeitgenössischer Anbau vereinen moderne Architektur und historische Bausubstanz, ein wunderbar gelungenes Zusammenspiel. Ich besuchte die Sonderausstellung zum 100. Geburtstag des 1924 in Brackenheim geborenen Nachkriegskünstlers Bruno Diemer. Er gilt als eine der interessantesten Künstlerpersönlichkeiten der Region. Er studierte von 1946-1948 an der Stuttgarter Akademie, lebte abwechselnd in Bönnigheim und Paris und verstarb viel zu jung mit nur 38 Jahren. Seine Stillleben und surrealistischen Aktdarstellungen, die an Totentanz Bilder erinnern, kommen zwischen den hell gestrichenen Fachwerkbalken unheimlich gut zur Geltung.
Adresse: Hauptstraße 60-64,
Öffnungszeiten: Di+Mi+Fr 14-18 Uhr, Do 14-20 Uhr, Sa+So 11-18 Uhr
Eintritt: 8 €, ermäßigt 6 €
Informationen zu aktuellen Ausstellungen findest du auf : www.galerie.bietigheim-bissingen.de
Unteres Tor & Fräuleinsbrunnen


Mittelalterliches Upcycling & eine Nixe Das Untere Tor ist das einzige von vier Stadttoren, das bis heute noch erhalten ist. Erbaut wurde es im 14. Jahrhundert aus Buckelquader der teilzerstörten Burg. Im 15 Jahrhundert wurde der Schalenturm mit der Fachwerkwand geschlossen und um einen Fachwerkaufbau ergänzt, sieht es nicht wahrlich märchenhaft aus? Nur wenige Meter vor dem Tor steht der Fräuleinsbrunnen, der mindestens genauso märchenhaft ist. Die Brunnenfigur zeigt eine Melusine, die Nixenfigur war in der Renaissance eine beliebte Sagengestalt.
Schieringer Straße



Die Straße der Händler Wer Fachwerk in seiner schönsten Form kennenlernen möchte, darf diese Straße nicht verpassen! Die Schieringer Straße ist eine Seitenstraße der Hauptstraße und zieht bei jedem Vorbeigehen meinen Blick an. Im Mittelalter war sie Teil einer wichtigen Fernhandelsroute. Wer hier wohnte, gehörte zu den Wohlhabendsten und zeigte seinen Reichtum durch die exklusive Wohnlage und an seiner Hausfassade. Die Fachwerkhäuser in dieser repräsentativen Straße sind in den typischen württembergischen Fachwerkfarben grau, rot und ocker gestrichen. Über die Fassadenfarbe konnte man früher auf den Wohlstand des Eigentümers schließen, denn gerade ocker war sehr teuer. Die Farbpigmente kamen aus den Ockergruben der Lausitz und die gelbliche Farbe galt um 1600 als eine Modefarbe. Viele der Häuser haben barockes Zierfachwerk, geschnitzte Eckständer, umlaufende Fenstererker, Bohlenstuben und große Gewölbekeller, ihre Erbauer waren Posthalter, Wirte, Ziegler, vermögende Schneider oder Goldschmiede. Die Geschichte über die württembergischen Fachwerkfarben habe ich übrigens in der Lauschtour App gehört, diese stelle ich dir nun vor.
Lauschtour

Tipp: Du erkundest Städte gerne auf eigene Faust, möchtest aber trotzdem wertvolle Informationen und die schönsten Ecken nicht verpassen? Dann ist die Lauschtour App das Richtige für deine Erkundungstour durch Bietigheim-Bissingen. Den kostenlosen, audiogeführten Altstadtrundgang kannst du ganz einfach im App Store auf dein Handy laden. Du wählst den gewünschten Stadtrundgang aus, installierst ihn, aktivierst dein GPS und dann kann die Entdeckungstour auch schon losgehen! Du kannst dir die Touren natürlich auch bequem vom Sofa aus anhören, dann bist du bis zu deinem Besuch bestens vorbereitet!
Über das Betteltörle runter an die Metter und Enz


Unterhalb der Altstadt mündet die Metter in die Enz, von der Hauptstraße führt ein schmaler Weg durch das Betteltörle, vorbei an einem Backhaus runter an die Metter und zu den Parkanlagen. Der kleine Fluß führte oft Hochwasser. Um auch bei hohen Wasserständen in ihre Häuser zu gelangen, ließen sich die Anwohner des Hexengässles etwas einfallen. Sie bauten vom hochwassersicheren Zwinger kleine Brückenzugänge in die Obergeschosse ihrer Häuser. Im Schwabenländle ist man einfallsreich!
Backhaus & Hochwasserbrücken





Viadukt

Eisenbahnromantik Das Eisenbahnviadukt über der Enz gilt als das Wahrzeichen der Stadt, man kann es schon von Weitem sehen. Mit einer Länge von 287 m und 21 Bögen ist es ein wirklich beeindruckendes Bauwerk, zu Recht zählt es zu den schönsten Kunstbauten der frühen deutschen Eisenbahngeschichte.
Bietigheim-Bissingen- Mitglied der Deutschen Fachwerkstraße

Fachwerk auf der Deutschen Fachwerkstraße erleben Aus der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte entstand 1990 die Deutsche Fachwerkstraße, die sich mittlerweile zu einer der beliebtesten Kultur- und Ferienstraßen Deutschlands entwickelt hat. Auf einer Gesamtlänge von über 3.900 km verbindet die in acht regionale Teilstrecken unterteilte Straße unter dem Motto „Fachwerk verbindet“ über 120 Fachwerkstädte. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten, Kulturdenkmäler und abwechslungsreiche Landschaften gibt es entlang der Strecken zu entdecken und regionale Traditionen, Bräuche und Spezialitäten kennenzulernen. Bietigheim-Bissingen liegt auf der südlichsten Teilstrecke „Vom Neckar zum Schwarzwald und Bodensee“ und bereichert das Ferienerlebnis mit einem der schönsten Rathäuser Süddeutschlands, sehenswerten Museen und einer malerischen Altstadt, die zum einkaufen, bummeln und genießen einlädt.
Info: Weitere Informationen zur Deutschen Fachwerkstraße, den Mitgliedsstädten und Regionalstrecken findest Du auf www.deutsche-fachwerkstrasse.de.
Meine Tipps für Kulinarik & Unterkunft
"Besa em Städtle" - Steillagenweingut Muck


Herzenstipp: Mein erster Genusstipp für Bietigheim-Bissingen ist die „Besa em Städtle“ des ortsansässigen Steillagenweingutes Muck. Wie viele andere Weinbauern, betreibt Stephan Muck in einer urigen Fachwerkscheune direkt im Herzen der Altstadt seine Besenwirtschaft, den Weg dorthin weist ein geschmückter Besen am Straßenrand. Unterstützt wird er von seiner Mutter Marianne, die vor 30 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann die „Besa im Städtle“ eröffnete. Das Ambiente ist urig, gemütlich und heimelig, für viele Bietigheimer ist die „Besa“ auch ihre zweite gute Stube. Die Stimmung ist gut, man rückt bei leckerem Essen und den hervorragenden Weinen aus den Bietigheimer Steilhängen etwas näher zusammen und lernt sich kennen.

Zünftige Besengerichte Für das leibliche Wohl bietet die Speisekarte klassische Besengerichte wie Schlachtplatte, Ripple, Leber- und Blutswurst mit Kraut, Wurstsalat, Vesperteller oder Grünkernküchla, es gibt auch eine Auswahl an vegetarischen Alternativen. Ich wählte eines meiner absoluten Leibgerichte. Die Maultaschen waren so unfassbar lecker und der selbstgemachte Kartoffelsalat herrlich schlotzig, so lieben wir ihn im Schwabenländle. Dazu trinkt man natürlich die Weine des Weingutes. Sehr beliebt ist der Trollinger, ob als Flaschen- oder Fasswein passt der fruchtige Rotwein wunderbar zu den zünftigen Speisen. Wenn die Wengerter nicht im Weinberg gebraucht werden hat die „Besa em Städtle“ geöffnet, im Frühling (ca. ab Mitte Januar bis Ende Februar) und im Herbst (ab ca. Mitte September bis Anfang Dezember). Die genauen Öffnungsperioden musst du bitte erfragen und solltest du deinen Besuch planen können, empfehle ich dir unbedingt einen Tisch rechtzeitig reservieren.
Adresse: Turmstraße 14
Info: www.steillagenweingut.de oder telefonisch unter 07142-43982.
Trattoria La Piazza Bietigheim



Italienische Gusto Allen Liebhabern der italienischen Küche gilt meine nächste Empfehlung: Andrea Tafuros „Trattoria La Piazza“ verwöhnt in dritter Generation direkt am Marktplatz die Gäste mit exzellenter, authentischer italienischer Küche, ausgewählten Weinen und südländischer Gastlichkeit. 08/15 Küche bekommt man hier nicht! Das Ambiente ist gehoben und stylisch aber trotzdem ungezwungen und gemütlich. In den warmen Monaten kann man draußen mit Blick zum Rathaus sitzen und das Altstadtflair zur feinen Küche genießen.

Lecker! Auf der Karte findet man modern interpretierte Küchenklassiker mit ausgewählten Zutaten der Saison, Fisch- und Fleischgerichte sowie feine selbstgemachte Teigtaschen. Wenn du Edelpilze, Burrata, Seezunge oder Rip Eye vom Grill liebst, wirst du hier fündig und glücklich. Passend zur Jahreszeit wählte ich von der Tageskarte die Ravioli mit Kürbis gefüllt in Salbeibutter, ein aromatischer Genuss!
Adresse: Marktplatz 11
Hotel und Restaurant Rose


Mein Hoteltipp: Das stilvolle Business Hotel und Restaurant Rose wird in 2. Generation von den Brüdern Christian und Benjamin Maerz geführt. Während Christian für den Weinkeller, die Restaurantleitung sowie das Hotel die Verantwortung trägt, ist Benjamin der Star in der Küche. Dank der zentralen Lage in der malerischen Altstadt ist die Rose die ideale Unterkunft für eine genussvolle Auszeit in Bietigheim-Bissingen und für Erkundungstouren des 3B-Landes. Die gepflegten Zimmer und alle Räume des Hauses sind farbschön, hochwertig und modern ausgestattet, einfach perfekt zum Wohlfühlen und Ausspannen nach erlebnisreichen Tagen.



Genuss auf höchstem Niveau Im „Maerz – Das Restaurant“ erlebst du Spitzengastronomie und im „Maerz Burger“ die günstigere, aber nicht weniger gute Alternative zur Sterneküche. Benjamin Maerz ist nicht nur durch seine super leckeren und kreativen Premium-Burger als „Burgermeister“ bekannt, sondern vor allem weil er 2013 einen Michelin-Stern erhielt und zu einem der zwölf größten Nachwuchstalente im deutschsprachigen Raum gewählt wurde. Ich ließ meinen ersten Abend in Bietigheim-Bissingen im „Maerz Burger“ ausklingen und entschied mich für eine köstliche hausgemachte Limonade und den extrem leckeren „Don’t call it Schnitzel“ Burger. Dahinter verbirgt sich ein Crispy Chicken Patty mit Zitronenmayo, Bergkäse und Preiselbeeren im gerösteten Brioche-Bun und hausgemachte Fritten. Als Dessert wählte ich das feine Schokoladenküchlein mit Beeren & Orangen-Honig-Eis und dazu einen Aperol Spritz, zu solchen süßen Verführungen kann ich (leider) nicht NEIN sagen…




Gourmetfrühstück So genussvoll die Abende bei den Gebrüdern Maerz enden, so beginnen die Tage im Hotel Rose auch wieder. Nach einer erholsamen Nacht im komfortablen Zimmer, wartet im Frühstücksraum eine außergewöhnlich große und leckere Auswahl am ausgesprochen schön gerichteten Frühstücksbuffet. Das Angebot kommt einem Brunch sehr nahe, kleine Gourmets wie ich sind hier wahrlich im 7. Himmel.
Dieser Beitrag enthält Werbung und entstand in Zusammenarbeit mit 3B-Tourismus und der Deutschen Fachwerkstraße.
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