Michelstadt – Sehenswürdigkeiten und Tipps für Deinen Städtetrip

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[ANZEIGE] Michelstadt liegt im südhessischen Odenwaldkreis, eine von Sagen und Legenden geprägte waldreiche Mittelgebirgslandschaft und Heimat vieler Burgen und Schlösser. Das märchenhafte Michelstädter Rathaus ist weltweit bekannt und gilt als eines der schönsten Deutschlands. Das Kleinod hat einige kulturhistorische Schätze zu bieten. Es warten romantische Gassen, zauberhafte Fachwerkhäuser, eine mittelalterliche Burganlage, eine karolingische Basilika und der idyllische Stadtgarten an der alten Stadtmauer entdeckt zu werden. Die einheimischen Gastronomen und Konditoren bieten die schmackhafte und bodenständige Heimatküche des Odenwaldes an. In diesem Beitrag zeige ich dir die schönsten Sehenswürdigkeiten Michelstadts und gebe dir wie immer wertvolle Tipps zu Kulinarik und Genuss an die Hand.  

Inhalt

Ein kleiner Streifzug durch die Stadtgeschichte

Mehr als 1285 Jahre Stadtgeschichte Die Gemeinde Michelstadt wurde erstmals 741 als Schenkung an den ersten Bischof von Würzburg erwähnt. Zum Dank für seine treuen Dienste wurde die Mark „Michlinstat“ 815 weiter verschenkt an Einhard, dem Vertrauten und Biografen von Karl des Großen. 827 erbaute er sich im heutigen Stadtteil Michelstadt-Steinbach als Altersruhesitz eine Basilika, auf die ich noch später eingehen werde. 840 überschrieb er seinen Besitz an das Kloster Lorsch, das eine erste Burg, die heutige Kellerei erbauen ließ. Die Stadt wurde 1307 im Streit zwischen Kurmainz und Kurpfalz komplett zerstört und von den Herren von Erbach mit einer 700 m langen Stadtmauer- und Toren wieder aufgebaut. Michelstadt entwickelte sich von einem kleinen Ackerbürgerstädtchen zu einem bedeutenden Zentrum im Odenwaldkreis. Glücklicherweise ging kein Gebäude kriegsbedingt mehr verloren. Jedoch sieht man trotzdem im Stadtbild die Folgen des Dreißigjährigen Krieges. Die Region wurde dermaßen stark entvölkert, dass im 17. Jahrhundert keine neuen Fachwerkhäuser gebaut wurden. Es waren keine Menschen mehr am Leben, die Häuser hätten bauen oder Holz schlagen können. Ab Mitte des 18. Jh. gehörte Michelstadt zur Grafschaft Erbach-Fürstenau, die Familie ist bis heute im Besitz eines beeindruckendes Wasserschlosses in der unmittelbaren Nähe der Einhardsbasilika. 1806 verlor die Grafschaft Erbach ihre Souveränität und die Stadt wurde hessisch. In den 1970er Jahren begannen umfassende Altstadtsanierungen, die 1978 zum Landessieg im Wettbewerb „Stadtgestaltung und Denkmalschutz im Städtebau“ führten. 

Die schönsten Sehenswürdigkeiten in Michelstadt

Historisches Rathaus

Spätmittelalterlicher Superstar Das historische Rathaus von Michelstadt wurde bereits 1484 im Stil der Spätgotik erbaut und ist weltberühmt. Mit seinen spitzen Erkertürmchen und der offenen Erdgeschosshalle ist es ein wunderschönes Unikat, das auch schon auf einer Sonderbriefmarke zum 500-jährigen Geburtstag abgebildet war. Im brasilianischen Blumenau, das 1850 von deutschen Einwanderern unter der Leitung des Apothekers Hermann Blumenau in der Provinz Santa Catarina gegründet wurde, steht ein Nachbau das „Haus Möllmann“ genannt wird. 

Auch ein hübscher Rücken kann entzücken Das freistehende Fachwerkrathaus wurde in spätmittelalterlicher Rähmbauweise erbaut. An einem der mächtigen Eichenpfosten befindet sich noch die originale spätgotische Datierung in arabischen Ziffern, an einer anderen ist eine eiserne Elle eingelassen, an der man sein gekauftes Tuch nachmessen konnte, betrogen wurde schließlich schon immer. In der Halle hängt außerdem noch die alte Stadtwaage und eine alte Tuchpresse ist ausgestellt. Zwischen 1743 und 1903 war die Fassade zum Schutz vollständig verschindelt. Ich finde, das historische Rathaus kann sich auch von der Rückseite sehen lassen, zumal man dort auch ganz wunderbar die Fachwerkkonstruktion am besten erkennen kann. 

Nur keine Umstände machen Das Erdgeschoss war ursprünglich von allen Seiten komplett offen. Im Mittelalter war in dem Multifunktionsgebäude viel los, bei schlechtem Wetter bauten an den Markttagen Händler in der Halle ihre Verkaufsstände auf und öffentliche Gerichtsverhandlungen wurden hier für jeden sichtbar abgehalten. Damit Gott zusehen und Unrecht verhindern konnte, mussten nach altem deutschem Recht Verhandlungen in denen es um Leben und Tod ging unter freiem Himmel stattfinden. Mit der Durchführung in der offenen Gerichtshalle, hielt man zumindest noch etwas an der alten Gepflogenheit fest. Jeder Bürger war verpflichtet an den öffentlichen Verhandlungen teilzunehmen. Sie standen „drumherum „und bildeten den „Umstand“. Der Begriff ist von einer alten Form des Verbs „umstehen“ für „herumstehen“ abgeleitet. Wenn die Bürger mit dem Urteil des Zehntgrafens zufrieden waren, traten sie einen Schritt zurück, wer es nicht war, blieb stehen. Aus diesem Verhalten entstand der Begriff „Umstände machen“, den wir heute noch gerne benutzen wenn wir keinen Aufwand oder Unannehmlichkeiten bereiten möchten.

Tipp: Das Rathaus kann im Rahmen einer öffentlichen Stadtführung erkundet werden und wenn Du mich schon etwas länger auf meinen Fachwerkreisen begleitest, weißt Du sicherlich, dass ich dir immer eine Stadtführung ans Herz lege. Du kannst den Rathaussaal besichtigen, der heute auch als Trauzimmer genutzt wird, steigst auf über 500 Jahre alten Treppenstufen in die oberen Geschosse hoch und genießt die wunderschöne Aussicht auf den Marktplatz und den angrenzenden Odenwald. Buchen kannst du die Rundgänge im Kulturamt mit Gästeinformation am Marktplatz 1.

Info: www.michelstadt.de

Marktplatz Michelstadt

Ratsapotheke mit Marktbrunnen

Die Seele baumeln lassen Der Marktplatz zählt zu den schönsten Deutschlands. Er ist umsäumt von wunderschönen Fachwerkhäusern, alten Straßenlaternen und im Sommer von üppigem Blumenschmuck. In warmen Monaten kann man mit Blick auf das Rathaus das einzigartige Altstadtambiente in einem der Cafès oder Restaurants genießen und die Seele baumeln lassen.

Marktbrunnen

Marktbrunnen

Michael wacht über die Stadt Vor dem Nachbau der „Alten Schmiede“ steht der Marktbrunnen von 1575. Graf Georg II. zu Erbach ließ ihn im Renaissance Stil erbauen und schmückte ihn mit einer Figur des Erzengels Michael, der als Anführer der himmlischen Heerscharen und als Garant der göttlichen Gerechtigkeit gilt.  Die Brunnenfigur zeigt das gräfliche und das städtische Wappen und, um das Böse abzuhalten und Gut und Böse abzuwägen ein Flammenschwert und eine Seelenwaage. 

Alte Schmiede

Nachbau der Alten Schmiede mit Ratsapotheke am Marktplatz

Zeugnis einer bedeutenden Handwerkskunst Die „Alte Schmiede“ am Marktplatz ist ein Nachbau des historischen Gebäudes, das viele Jahrhunderte als Schmiede den Marktplatz prägte. Im Zuge der Altstadtsanierung musste es abgerissen werden. Ein Hannß Strein, Hofschmied im Schloss Fürstenau, kaufte 1650 das Gebäude, er ist der erste belegte Schmied auf dem Anwesen. Später übte hier die Familie Spiegel über viele Generationen das Schmiedehandwerk aus und stellten im 18. Jahrhundert sogar einen Bürgermeister.

Löwenhof & Thurn- und Taxis Gebäude

Barocker Prachtbau am Markt Das ehemalige Gasthaus „Zum goldenen Löwen“ bildet einen wunderschönen Kontrast zum Fachwerkambiente am Marktplatz. Mit seinem mächtigen von Pilastern und korinthischen Säulen gerahmten Portal und dem verschnörkelten goldenen Balkongeländer ist es ein weiteres Highlight am Platz. Das lachsfarbene Gebäude wurde 1755 von dem Gräflich-Erbach-Fürstenauische Marsch-Commissar Johann Nicolaus Friedrich erbaut und bestand ursprünglich aus drei Anwesen. Außer einem Gasthof mit Remisen und Stallungen befand sich hier auch eine Thurn- und Taxis‘­sche Posthalterei, die den Liniendienst der Postkutschen betrieb. Heute sind hier Teile der Stadtverwaltung, die Gästeinformation und die Traditionskonditorei „Café im Leyhausen“ untergebracht.

Kellerei - Burg Michelstadt

Mittelalterliches Kleinod Das parkähnliche Areal um die alte Burg ist mein Lieblingsort in Michelstadt, er gilt auch als der älteste Teil der Stadt. Ganz besonders schön finde ich es hier am frühen Morgen, wenn die warme Morgensonne die alten Mauern golden beleuchtet und die ersten Sonnenstrahlen durch die Blätter fallen. Man begegnet nur ein paar wenigen Hundehaltern oder Frühaufstehern auf ihrer Morgenrunde oder auf dem Weg in die Altstadt. Die Burg Michelstadt ist eine ehemalige Stadtburg, die in ihrer heutigen Form aus dem 14. Jahrhundert und von Baumaßnahmen im 16. und 17. Jahrhundert stammt und auch „Kellerei“ genannt wird. Die Burg entstand nahe eines zerstörten Vorgängerbaus aus dem 10. Jahrhundert. Ab dem 16. Jahrhundert wohnte hier der sogenannte „Keller“, ein gräflicher Verwaltungsbeamter der für das Eintreiben der Abgaben zuständig war, ähnlich unserer heutigen Finanzämter.

Naschen erlaubt Der Zwingergraben wurde vor ein paar Jahren zu einem Naschgarten mit Bienenkästen umfunktioniert und verschiedene Beerensträucher angepflanzt. Naschen ist ausdrücklich erwünscht! Der kleine Genussgarten ist rund um die Uhr frei zugänglich, dass man noch für andere genug lässt, ist selbstverständlich.

Städtisches Leben in alten Mauern Heute ist die geschichtsträchtige Burganlage ein beliebter Veranstaltungsort und wird hauptsächlich städtisch genutzt. In der alten Zehntscheuer, dem ehemaligen Lager für Naturalabgaben, sind das Stadtmuseum und die Stadtbücherei untergebracht. Die alte Remise beherbergt die alte Kainsbacher Mühle, die vom Förderkreis historisches Michelstadt erhalten und gepflegt wird. Der malerische Kellerhof bietet die perfekte Kulisse für den beliebten Weihnachtsmarkt und das Altstadtfest, das jedes Jahr im August stattfindet und viele Besucher in die Stadt zieht.

Diebsturm

Zeugnis der mittelalterlichen Rechtsprechung  Zur Burganlage gehört auch der „Diebsturm“ aus dem 9. Jahrhundert. Diebsturm, weil der Eckturm ab 1315 als Kerker genutzt wurde. Es muss fürchterlich gewesen sein dort einzusitzen, manche saßen dort jahrelang und warteten auf eine Verhandlung. Das Verlies im Untergeschoss hatte weder Fenster noch Türen, die Gefangenen wurden vom darüberliegenden Stockwerk durch ein sogenanntes Angstloch an einem Seil in den düsteren und kalten Kerker runtergelassen. Ab 1400 wurde er als Wehrturm in die Stadtmauer integriert, die Fachwerkhaube wurde erst später aufgesetzt. 

Stadtmuseum in der Kellerei

Stadtmuseum und Stadtbibliothek

Tipp: Früher wurde in der Zehntscheuer die Naturalsteuer, der „Zehnt“ gelagert, heute ist in dem Speichergebäude das Stadtmuseum untergebracht. Auf dem neukonzipierten Rundgang durch das Haus erhält man in den verschiedenen Abteilungen einen guten Überblick über die wichtigen Stationen der Stadtgeschichte. Die Abteilung „Michelstadt im Wandel der Zeit“ dokumentiert mithilfe von Exponaten, Modellen und einem Film die städtische Entwicklung seit dem Mittelalter. „TextZeichen … BildFigur. Vier Lebenswege“ heißt der Ausstellungsbereich im Obergeschoss, der anhand von Schriften, Typografien, Kalligrafien und Kunstobjekten die Lebenswege von vier Persönlichkeiten, die eng mit Michelstadt verbunden sind, beleuchtet. Ebenfalls interessant ist der Themenbereich „Sozial- und Wirtschaftsgeschichte“, hier geht es u.a. um die alles verändernde Industrialisierung, die große soziale Not, die Auswanderung Michelstädter Bürger nach Amerika, Diktatur und Gewalt im 20. Jahrhundert und die Altstadtsanierung in den 1970er Jahren. Dem Erbauer der Einhardsbasilka und „Gründer“ der Stadt Seligenstadt ist ein eigener Bereich gewidmet. Für Abwechslung sorgen regelmäßige Sonderausstellungen, wie z.B. „Vorfreude. Adventskalender in Europa“ in der Adventszeit.

Unter dem Dach lässt die Modelleisenbahn-Ausstellung die Herzen eines jeden Modellbaufans höher schlagen. Der Verein „Modelleisenbahnfreunde Odenwaldkreis e.V.“ betreut die Ausstellung, die jeden Samstag von 11-17 Uhr für alle Interessierte geöffnet hat. Der Eintritt ist frei, jedoch freut man sich über eine Spende.

Öffnungszeiten: März-Oktober: Di-So 11-17 Uhr November-Februar: Sa+So 11-17 Uhr, während des Weihnachtsmarktes: Mi-So 11-18 Uhr

Eintritt 3,50 €, ermäßigt 2 €.

Adresse: Einhardspforte 3

Kainsbacher Mühle

Vom Korn zum Mehl Die historische „Kainsbacher Mühle“ wurde 1426 erstmals im Zinsbuch der Grafen von Wertheim erwähnt und ist heute in der Remise der Kellerei untergebracht. Ursprünglich stand die Getreidemühle im Kainsbacher Tal und versorgte dort über 500 Jahre die Bevölkerung mit Mehlprodukten. Ihr Antrieb erfolgte früher über ein Wasserrad, heutzutage wird die noch voll funktionsfähige Mühle von einem Elektromotor angetrieben. Um das Kulturdenkmal zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, erwarb 1956 der „Förderkreis Historisches Michelstadt e.V“ die stillgelegte Mühle und baute die Mühlentechnik mit Gerätschaften, wie eine Griesputzmaschine und eine Haferquetsche in die Remise ein. 

Die Mühle kann sonntags oder im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Die Vereinsmitglieder informieren über die einzelnen Mühlvorgänge und setzten die Mühlsteine in Betrieb. Dann rumpelt und klappert die Mühle wie einst. Ein tolles Erlebnis für jeden, der sich für traditionelles Handwerk interessiert, vor allem aber auch für Kinder.

Öffnungszeiten: April-Oktober: sonntags von 14-18 Uhr, während des Weihnachtsmarktes Sa-So 12-18 Uhr 

Anfragen zu Führungen und Terminvereinbarungen an Mühlenwart Thomas Glintzer (0171-8848568)

Elefantenhaus

Elefanten im Odenwald Hinter der evangelischen Stadtkirche findet man ein wirklich außergewöhnliches Fachwerkhaus. Das sogenannte „Elefantenhaus“ wurde 1780 als Stallscheune der „Alten Schule“ in Hanglage erbaut und wurde von einem Künstler mit zahlreichen Elefantenplastiken verziert. In dem abgestuften Gebäude ist ein beliebtes Café untergebracht.

Adresse: Am Kirchplatz 5

Synagoge

Tipp: Für jeden der sich für den jüdischen Glauben und die Geschichte des jüdischen Lebens in Michelstadt und dem Odenwald interessiert lohnt sich einen Blick in die Synagoge zu werfen. Zahlreiche Kultgegenstände, Fotoreproduktionen und Archivalien erinnern an die jüdischen Mitbürger. Das Gotteshaus wurde 1791 von der jüdischen Gemeinde Michelstadt am Stadtrand mit dem Rücken zur Stadtmauer erbaut und blieb in der Pogromnacht bis auf die Innenausstattung unversehrt. Im Zuge der Altstadtsanierung wurde das Landesrabbiner Dr. I. E. Lichtigfeld-Museum eingerichtet. Isaak Emil Lichtigfeld war von 1954 bis 1967 zuständig für die jüdischen Gemeinden des Landes Hessen. Seit 2015 werden hier auch wieder Gottesdienste gefeiert. 

Öffnungszeiten: Do-So 14.30-18.30 Uhr

Adresse: Mauerstraße 19

Stadtgarten an der Stadtmauer

Grüne Oase im Herzen der Altstadt Um mich ein bisschen auszuruhen und das Erlebte auf mich wirken zu lassen, suche ich bei einer Stadtbesichtigung immer auch ein ruhiges Plätzchen auf. Der Stadtgarten an der Stadtmauer ist perfekt für so eine kleine Pause. Neben der Synagoge führt ein schmaler Weg durch die Bienenmarkts Pforte zu dem idyllischen Kleinod. Ein kleiner Bachlauf fließt durch den wirklich schön angelegten Park und bietet etwas Erfrischung an heißen Tagen. Zwischen Blumenbeeten und Rasenflächen sind ein Wasserspielpatz, eine Boulebahn, Sitzmöglichkeiten und für Kinder genug Raum zum Spielen angelegt. 

Durch Altstadtgassen bummeln

Blick in die Mauerstraße
Große Gasse
Schwiegermütterchenbrunnen
Feuerböcke am Fachwerk

Augen auf beim Stadtspaziergang Was gibt es schöneres als durch malerische Altstadtgassen zu bummeln, versteckte Ecken und die magischen Spuren der Vergangenheit zu entdecken? Man muss nur mit offenen Augen durch die Stadt gehen, dann erhält man Einblicke in idyllische Gärten, entdeckt jahrhundertealte Fachwerkbaukunst und kann an Denkmälern eine Rast einlegen. Michelstadts Altstadt hat einige dieser schönen Gassen, die ich am frühen Abend, wenn die Sonne nicht mehr zu hoch steht, am schönsten finde.

Michelstadt auf einer Stadtführung kennenlernen

Tipp: Für alle die tiefer in die Michelstädter Stadtgeschichte eintauchen und die schönsten Ecken kennenlernen möchten, hat die Gästeinformation eine Vielzahl an spannenden und informativen Stadtführungen entwickelt. Ob eine Fototour „Blickwinkel“, Fachwerk-, kulinarische-, Scharfrichter,- oder eine Sprichwortführung, für jeden ist ein passendes Thema unter den 28 angebotenen Führungen dabei. Buchen kann man die Rundgänge in der Gästeinformation. Ich nahm an einer ca. 90 minütigen klassischen Altstadtführung mit Stadtführer Thomas Glintzer teil. Der Jurist führt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und vermittelt mit viel Hingabe und Fachwissen Hintergrundinformationen zu mittelalterlichen Gepflogenheiten und ein paar Anekdoten aus der Stadtgeschichte. Der Rundgang führt u.a. durch die Räume des historischen Rathauses, zur Kellerei mit Diebsturm und zur Synagoge.

Michelstadt- Mitglied der Deutschen Fachwerkstraße

Alte Museumsstubb

Fachwerk auf der Deutschen Fachwerkstraße erleben Aus der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte entstand 1990 die Deutsche Fachwerkstraße, die sich zu einer der beliebtesten Kultur- und Ferienstraßen Deutschlands entwickelt hat. Auf einer Gesamtlänge von über 3.900 km verbindet die mittlerweile in acht regionale Teilstrecken unterteilte Straße unter dem Motto „Fachwerk verbindet“ über 120 Fachwerkstädte mit ihren Sehenswürdigkeiten, Denkmälern und abwechslungsreichen Landschaften. Michelstadt liegt auf der regionalen Teilstrecke „Vom Rhein zum Main und Odenwald“ und bereichert das Ferienerlebnis mit einem einzigartigen Fachwerkrathaus aus dem 15. Jahrhundert und einem malerischen Marktplatz der zum Verweilen und Genießen einlädt.

Info: Weitere Informationen zur Deutschen Fachwerkstraße, den Mitgliedsstädten und Regionalstrecken findest Du auf www.deutsche-fachwerkstrasse.de.

Stadtteil Michelstadt-Steinbach

Schloss Fürstenau

Romantik pur Im Michelstädter Stadtteil Steinbach, nur wenige Autominuten oder einem 20-minütigen Spaziergang von der Altstadt entfernt, liegt an der Mümling das Schloss Fürstenau mit Wirtschaftsgebäuden, Marstall, Torhaus, Kavaliershaus und Schlossmühle. Die Anlage wird heute noch von der Grafenfamilie Erbach-Fürstenau bewohnt und der Innenhof darf unter der Woche von 10 bis 16 Uhr besichtigt werden. Das Schloss wurde als Wasserburg im 14. Jahrhundert vom Kurfürstentum Mainz zum Schutz seines Besitzes erbaut und im 15. Jh. von den Grafen von Erbach zu einem Renaissanceschloss erweitert. Anstelle einer Toranlage wurde ein prächtiger Schmuckbogen errichtet. Mich hat der leicht morbide Charme der einstigen Wasserburg sofort begeistert und für mich zählt das Schloss zu den schönsten der Region. Viele Schmuckdetails lassen sich an der Fassade und im Innenhof entdecken. Skulpturen, Laternen, Butzenscheiben und vor allem der prächtige Schmuckbogen zeugen von seiner langen Geschichte. 

Bitte beachte: Das Grundstück ist in Privatbesitz und bewohnt. Wir Besucher sind eigentlich nur „geduldet“. Damit das auch so bleibt, müssen wir uns als Gäste rücksichtsvoll und unauffällig verhalten und die Besuchszeiten unbedingt berücksichtigen! Danke für dein Verständnis. 

Adresse: Schlossplatz 1-2

Einhardsbasilika

Karolingisches Relikt Nur ein paar Schritte vom Schloss Fürstenau entfernt findest du die Einhardsbasilika aus dem 9. Jahrhundert. Sie ist eine der wenigen karolingischen Bauwerke die bis heute erhalten sind und ich finde sie sehr sehenswert! Einhard, der Biograph und Berater von Karl dem Großen, bekam die Mark Michelstadt im Jahr 815 von Karls Sohn Ludwig dem Frommen als Anerkennung seiner Leistungen geschenkt. Er baute die dreischiffige Basilika wahrscheinlich als Grabstätte und Wallfahrtskirche für sich und seine Frau Imma. Unter der Kirche soll sich eine kreuzförmige Krypta befinden. Nach dem Tod seiner Frau wurde Einhard der erste Abt des neu gegründeten Klosters im heutigen Seligenstadt. Über nicht ganz korrekte Wege holte er sich aus Rom über Reliquienhändler die Gebeine der frühchristlichen Märtyrer Marcellinus und Petrus und errichtete über deren Grab eine Wallfahrtskirche, seine Altersvorsorge war gesichert. Einhard vererbte die Mark Michelstadt mit der Basilika an das Reichskloster Lorsch. 1803 wurde das Kloster, das sich zu einer prächtigen Klosterstadt entwickelt hatte, säkularisiert und kam in Besitz des Landgrafen zu Hessen.

Tipp: Kaum zu glauben, aber nach der Reformation kauften die Erbacher Grafen das Grundstück und nutzten das historische Denkmal bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts als Schuppen und Holzlager. Kunsthistoriker entdeckten bereits 1844 den besonderen historischen Wert wieder. Bis in die 2.000 Jahre wurde die Anlage etappenweise saniert und kann besichtigt werden. Die Dauerausstellung in der Sakristei dokumentiert die Geschichte der Überführung der Reliquien der Heiligen Marcellinus und Petrus von Rom über Steinbach nach Seligenstadt. Sehenswert sind auch die alten Grabplatten im Hauptchor.

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag von 10 – 17 Uhr, der Eintritt kostet 4 €.

Adresse: Schloßstraße 17

Odenwälder Küche genießen

Typisch Odenwald Michelstadts Gastronomen bieten die bodenständige Küche der Region an. Die Köche nutzen die herzhaften Zutaten der umliegenden Felder, Bäche und Wälder. Wild, Fleisch, Pilze, Kartoffeln und Fisch finden ihren Weg in die Kochtöpfe. Wer Spezialitäten wie Kochkäse, Apfelwein oder Grüne Soße noch nicht kennt, sollte sie in Michelstadt unbedingt probieren. Ich bin von den Odenwälder Koch- und Backkünsten begeistert und zeige dir, wo es mir am besten geschmeckt hat. Da ich einen süßen Zahn habe, fange ich auch mit süßem an.

Café Siefert

Tortenkunst vom Weltmeister In Michelstadt ist man stolz auf den Konditorenweltmeister Bernd Siefert. Nur wenige Meter hinter dem historischen Rathaus betreibt er gemeinsam mit seiner Schwester Astrid das Café Siefert, das viele Besucher aus der ganzen Welt anzieht, jeder möchte seine feinen Törtchen und Patisseriewaren kosten. Bernd Siefert zählt zu den renommiertesten Patissiers weltweit, veröffentlichte mehrere Bücher, berät Unternehmen bei der Entwicklung neuer Produkte, hält Seminare und nimmt an zahlreichen TV-Formaten wie  „Tortenschlacht – Wer backt am Besten?“ Für den japanischen Markt hat er eigene Kreationen entwickelt, denn dort ist er ein Superstar. Trotz seines Erfolgs ist er bodenständig geblieben und nimmt sich Zeit für seine Gäste. Schon als Kind half er im elterlichen Betrieb mit. Seine Ausbildung absolvierte er bei Confiserie Sprüngli in Zürich. Seine beispiellose Karriere brachte ihm sechsmal den Titel des Deutschen Meisters ein, 1997 wurde er Weltmeister der Konditoren, Weltkonditor des Jahres 2017 und gewann über 30 nationale und internationale Wettbewerbe. Glaubt mir, er versteht sein Handwerk und das schmeckt man!

Betritt man sein Café liegt der Duft von frisch gebackenen Eiswaffeln in der Luft, denn selbsthergestelltes Eis bietet Bernd Siefert auch an. Eigentlich findet man alles, was süß und lecker ist. Kuchen, Torten, Törtchen, saisonales Gebäck, Pralinen, Schokoladen, Konfitüren und vieles mehr sind in der Theke ausgelegt, es dauert nicht lange, bis einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Das Café befindet sich in einem alten Fachwerkhaus und bietet im Café 90 Plätze und im Außenbereich nochmals 100. Mich lachten besonders die kunstvoll dekorierten Törtchen an, entschied mich jedoch für ein Stückchen „Himbeer Noir“, so lecker und nicht zu süß. Sein Eis ist auch sehr fein und mit zwei Kugeln Siefert Eis macht ein Stadtspaziergang durch die malerischen Gassen Michelstadts gleich noch viel mehr Spaß.

Adresse: Braunstraße 17

Die Träumerei

Träume können wahr werden! „Die Träumerei“ ist bei Touristen und Einheimischen ein beliebter Anlaufpunkt. Die Schwestern Jessica und Sandra Schwarz erfüllten sich ihren Traum und eröffneten in der Nachbarschaft ihrer Kindheit ihr eigenes kleines Designhotel mit 10 exklusiven Zimmern und Café. Früher schauten sie aus dem gemeinsamen Kinderzimmerfenster auf das Eckhaus von 1623, dem sie nach aufwändigen Sanierungsarbeiten neues Leben einhauchten. Die eine Schwester zog es auf die großen Kinoleinwände, die andere hat ihren Lebensmittelpunkt in Michelstadt und der Träumerei. Im Café werden feine Kuchen und Torten von der Landbäckerei Müller aus Vielbrunn, Eis, Frühstücksvariationen und je nach Uhrzeit kleine Gerichte wie Flammkuchen, Panini, Focaccia oder Suppen angeboten. In den warmen Monaten sitzt man draußen auf der Gasse und kann zu den Leckereien das Altstadtambiente genießen, ein wirklich schönes Café, das du unbedingt aufsuchen solltest!

Adresse: Obere Pfarrgasse 3

Apfelweinhaus Schwarzer Adler

Kulturerbe im „Gerippten“ Hast du schon einmal den leicht säuerlichen, hessischen „Äppelwoi“ getrunken? Ich muss zugeben, erst in Michelstadt kam ich auf Empfehlung von Stadtführer Thomas Glintzer zum ersten Mal in den Genuss und ahnte erstmal nicht, dass ich ein Glas Kulturerbe trank. Der hessische Fruchtwein wurde 2022 in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die Heimat des Traditionsgetränks ist Frankfurt, dort gibt es seit 1638 eine Reinhaltungsbestimmung, die bis heute noch gilt. Der Apfelwein galt als das Getränk der ärmeren Landbevölkerung, denn jeder konnte sich den Apfelwein zuhause selbst in Eichenholzfässern gären. Die wohlhabenden Städter tranken eher gebrautes Bier oder edlen Wein. Hergestellt aus alten Apfelsorten von Streuobstwiesen wird er traditionell entweder im Tonkrug „Bembel“ oder in einem „Gerippten“ gereicht. Im Glas mit Rautenschliff reflektiert sich das Licht und ich muss sagen, das Glas hat was! Vor allem viel Inhalt, nämlich 0,5 Liter, ein wirklich feiner Schoppen mit einem Alkoholgehalt von 5-7%!

Traditionsgasthaus seit 1726 Das Apfelweinhaus Schwarzer Adler am Marktplatz hat auf seiner Getränkekarte eine große Auswahl an klaren Apfelweinen aus der Region stehen. Man kann ihn auch gespritzt mit Wasser oder Limonade bestellen und für den großen Durst auch im 1l, 2l oder sogar 3l Bembel. Ich probierte den sanft-herben Odenwälder Apfelwein der Kelterei Himmelheber vom Fass, der kühle Fruchtwein war einfach perfekt zum Abschluss des ereignisreichen Tages. Im Apfelweinhaus Schwarzer Adler kannst du auch leckere hessische Küchenklassiker genießen, man findet aber auch elsässische und österreichische Gerichte auf der Karte. Zwar nur zum Teil typisch hessisch, aber sehr lecker war das Backhendl Wiener Art mit Kochkäse, Bratkartoffeln und Preiselbeeren. Perfekt passte danach der Kaiserschmarrn mit Erdbeerkompott. Kochkäse ist übrigens eine weitere regionale Spezialität, die auch je nach Region mit „Musik“ serviert wird. Der streichfähige Sauermilchkäse galt früher als „Arme Leute Essen“ und wird üblicherweise mit einer Scheibe Sauerteigbrot serviert, die „Musik“ sind in einer Essig-Öl Mischung eingelegte Zwiebeln.

Adresse: Am Marktplatz 5

Hotel-Restaurant Drei Hasen

Alles dreht sich um den Hasen Falls Du einmal etwas mehr Zeit in Michelstadt verbringen, die historischen Schätze selbst erleben oder auch nur sehr gute hessische Küche genießen möchtest, kann ich Dir das Hotel – Restaurant „Drei Hasen“ empfehlen. Die Lage könnte nicht besser sein. Das historische Rathaus und der pittoreske Marktplatz sind nur wenige Schritte entfernt, hier schläft und genießt man in der ersten Reihe! Familie Müller und Gröner ist bereits die 14. Generation Hasenwirte in dem über 300 Jahre alten Gasthaus. Das Traditionshaus steht unter dem Symbol der Hasen, die u. a. für solide Gastlichkeit stehen und die man hier auch wirklich erfährt. Hasenfiguren in jeglicher Form begegnet man immer wieder im ganzen Haus, selbst auf den Speisetellern sind kleine Hasenöhrchen versteckt.

Odenwälder Leibspeisen Bei gutem Wetter kann man feine Heimatküche im romantischen Biergarten zwischen Palmen und Orangenbäumchen genießen. Die Speisekarte bietet eine gute Auswahl an saisonalen und regionalen Odenwaldgerichten, Rumpsteaks, Roastbeef, zarte Ochsenbäckchen, Fisch aber auch Wild aus dem Odenwald. Wenn du richtig gut essen und trinken möchtest, ist der „Drei Hasen“ die richtige Wahl! Auf der Mittagskarte fand ich eine meiner Leibspeisen: Kartoffeln mit hartgekochten Eiern und grüner Soße. Ich liebe den Frankfurter Klassiker voller Vitaminen, er ist so lecker und perfekt für die warme Mittagszeit. Die kalte Soße wird aus Schmand, Joghurt, saurer Sahne und sieben Kräuter hergestellt und meistens zu Kartoffeln, Bratkartoffeln oder gekochtem Rindfleisch gereicht. Am Abend genoss ich ein sehr feines Kalbsgeschnetzeltes mit frischen Pfifferlingen, Spätzle und einem knackigen Beilagensalat, dazu ein kühles Gläschen Rieslingsekt. Die marinierten Odenwälder Heidelbeeren mit Eis als Nachtisch passten ganz wunderbar zu einem „Salty Caramel Likör“ aus der Region.

Verwöhnt in Tag starten Das liebevoll angerichtete „Tischlein-deck-dich-Frühstück“ wartet morgens bereits an den Tischen in der urigen „Museums Stubb“ mit offenem Kamin, 1450 war hier die Küche des Hauses untergebracht. Zur Wahl stehen drei verschiedene Frühstücks-Arrangements, die man bereits beim Check-in auswählt und keine Wünsche offen lassen.

Zur Übernachtung stehen 38 komfortable Zimmer mit Bad, Dusche, WC, Telefon und Kabel-TV zur Verfügung. 

Adresse: Braunstraße 5



Dieser Beitrag enthält Werbung und entstand in Zusammenarbeit mit der Stadt Michelstadt und der Deutschen Fachwerkstraße.

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